Freitag, 18. Mai 2012

Urheberrecht

Beim Durchsehen meiner Mails fand ich in einem der Newsletter von buchreport.de zwei interessante Beiträge zum Thema Urheberrecht. In dem einen fordert Andreas Skipsis, der Geschäftsführer des Börsenvereins, ein Umdenken zu diesem Thema. Er meint: "In bestimmten Bereichen behindert das Urheberrecht Kreativität."

Zitat: "Wir als Branche müssen uns die Frage stellen, ob nicht gerade in dem genannten Bereich (Internetkommunikation, Anmerkung von mir) Korrekturen notwendig sind. Ich denke an den Literaturfan, der zwei Seiten aus einem Roman auf seine Facebook-Seite stellt, um den Text mit seiner Community zu diskutieren. Solange wir Fälle wie diesen für verfolgungswürdig halten, reden wir einem Urheberrecht das Wort, das die Urheber nicht nur schützt, sondern ihnen indirekt auch schadet." 

Außerdem fordert er: "Das Urheberrecht muss endlich durchsetzbar werden", fordert also vom Gesetzgeber eine Umsetzung bereits bestehenden Rechts, z. B. gegenüber Providern. HIER ist der Beitrag zu lesen.

Im anderen Beitrag las ich eine lesenswerte Absage der Autorin Petra van Cronenburg an einen Aufruf zur Unterzeichung der Aktion "Wir sind die Urheber!".

Zitate: "Ich bin für das Urheberrecht. Es ist eine wunderbare Errungenschaft. Ich bin aber auch für eine Reform." ....... "Ich brauche keinen Urheberrechtsschutz über meinen Tod hinaus".

Sie spricht die Schwierigkeiten an, die sich ergeben, wenn über historisches Fotomaterial für Sachbücher recherchiert wird. Da wird von Erben hier in Deutschland viel Geld für die Verwertung eines Bildes verlangt.

Zitat: "In den USA bekomme ich die gleichen Fotos umsonst, weil die Eigner dort Bildung und Kultur zuliebe die Abdruckrechte umsonst abgeben und allenfalls einen kleinen Obolus für spezielle Datenaufbereitungen verlangen, für die Arbeit damit. Ganze Bibliotheken, Archive und digitale Sammlungen stehen mir im Ausland online zur Recherche zur Verfügung. Ich muss die Urheberrechte achten, aber die Nutzungsrechte werden mir einfach und preiswert angeboten." 

Dann spricht sie einen Punkt an, der wohl die Realität der Autoren anspricht, die von ihrer Arbeit leben wollen oder müssen - Zitate: "Gewiss bekomme ich von der VG Wort jährlich einen manchmal lächerlichen Scheck für all die ausgeliehenen Bücher, die Pressespiegel, das Anhören meines Hörbuchs. Gewiss werde ich von Buchverlagen bezahlt. Aber das ist eben nicht mehr selbstverständlich. 

Zeitungsverlage haben mir die überlebenswichtige Möglichkeit der Mehrfachverwertung genommen, während sie selbst - ohne mir Honorare dafür zu zahlen - meine Stoffe zugfach bei Dritten verwerten können. ....... Wo sind die Aufschreie der Urheber gegen unsittliche Verträge? ....... Es wird höchste Zeit, über Nutzungsrechte zu reden; über neue, moderne Möglichkeiten und vor allem über Geld. Darüber, dass uns alte, etablierte Institutionen zunehmend im Regen stehen lassen und die ach so bösen globalen Internetkonzerne bieten, was jene verschlafen."

HIER ist der ganze Beitrag zu lesen. In ihrem BLOG ist ihr Beitrag zuerst erschienen, aufgegriffen vom buchreport.de.

Ich finde zusammenfassend für mich zum Thema Urheberrecht wichtig:

- Das Urheberrecht muss den modernen Verhältnissen angepasst werden.

- Ein Urheberecht, das den Autoren Rechte am geschriebenen Wort einräumt, ist aber nötig. Nur weil vieles kostenlos im Internet zu haben ist, muss dieses Recht nicht beiseite gewischt werden.

- Das Recht muss durchsetzbar sein bzw. vom Gesetzgeber auch umgesetzt werden. Provider, die gegen dieses Gesetz verstoßen und damit Profit machen, müssen belangt werden.

- Leute, die kurze Texte oder Passagen aus Büchern zitieren, z. B. auf Blogs oder in Foren, sollten nicht unnötig kriminalisiert werden.

- Es sollte auch ein Bewusstsein in der Öffentlichkeit dafür entstehen, dass nicht alles kostenlos sein kann. Die Leute wollen ja auch für ihre geleistete Arbeit einen Lohn oder ein Gehalt haben.

Abschließend meine ich: Für mich z. B. ist es ja auch Werbung, wenn Texte von mir zitiert werden. Daher dürfen Privatpersonen gerne Texte von mir zitieren, gewerbliche Seiten allerdings natürlich in Rücksprache mit mir, nicht ohne Einwilligung durch mich und beide mit richtiger Namensnennung und üblicherweise mit einem Link zu meiner Seite.

In diesem Bereich sollte eben die Nettiquette wieder mehr ins Bewusstsein gerückt werden und nicht einfach überall wild abkopiert, ohne Namensnennung, wie es zuweilen geschieht - wodurch dann der Leser gar nicht erkennen kann, wer der Autor des Textes ist. Es kursiert z. B. im Internet eine lustige Kurzgeschichte, die bekannt ist unter dem Namen "Schüleraufsatz" und "Apfent" oder dergleichen. Der Text wurde ohne Autorennennung ins Netz gestellt und x-mal kopiert und weitergegeben. Er stammt aber vom Ostbayerischen Autor Toni Lauerer, der diesen Text in seinen Anfangsjahren schrieb. Die meisten seiner Texte sind in Mundart abgefasst, einige Texte, wie auch dieser, aber in Hochdeutsch, was die Verbreitung gefördert hat.

Es sollte doch  möglich sein, über den Autor eines Textes zu recherchieren, bevor man ihn veröffentlicht. Wenn man ihn nicht ermitteln kann, hilft oft ein Hinweis, um von den eigenen Lesern den Namen des Autors zu erfahren und den Text damit zu versehen. Mir ist es so ergangen mit dem Text "Brief eines unbekannten Studenten" - oder "Die Maske", den ich mir mal als Jugendliche abschrieb. Er ist von Tobias Brocher ist, aus dem Buch "Von der Schwierigkeit zu lieben" (heute noch erhältlich). Den Hinweis zu dem Autor und auch dem Buch dazu bekam ich durch einen Kommentar.

Ehrlich gesagt, war mir die Urheberrechts-Problematik noch  nicht so bewusst, als ich 2004 begann, im Internet Fuß zu fassen. Daher hatte ich anfangs auch Bilder, die ich im WWW fand, einfach auf meinen alten Blog gesetzt oder Sachen zitiert. Erst Hinweise von anderen brachten mich dazu, hier umzudenken. Daher sehe ich es auch nicht so schlimm an, wenn ich bei anderen, vor allem Neulingen im Internet, solche Sachen im Internet sehe. Bedenklich finde ich es allerdings, wenn ganz bewusst Texte aus dem Internet oder von anderswo genommen werden und für eigene ausgegeben. Hier wird für mich eine Grenze überschritten, die Richtung Betrug geht.

Allgemein finde ich aber, dass es wichtig ist, einfach miteinander zu sprechen und nicht unnötig Feindschaften zwischen verschiedenen Gruppen zu säen oder zu pflegen. Bevor ich jemanden wegen Urheberrechtsverletzung anzeige, kann ich mich erst mal einfach per Mail an ihn wenden und ihn darauf hinweisen, dass es nicht rechtens ist, was er macht. Da muss ich nicht gleich das große Geschütz "Anzeige" auffahren. Es ist sicher meistens möglich, sich gütlich und außergerichtlich zu einigen.

Außerdem finde ich es ganz okay, wenn sich jemand für sich selbst einen Text oder ein Bild abspeichert. Wir sollten nicht alles kriminalisieren. Klare Regeln brauchen wir, das ist ganz klar. Bei der Verbreitung geht ja schon die Krux an - und da sollten endlich wirklich realistisch umsetzbare Regeln geschaffen werden, die auch dem Internet Rechnung tragen. Und es geht darum, wie die o. g. Autorin auch anmerkte, dass Verlage vernünftige Verträge anbieten, in deren Folge Autoren von Ihren Einkünften wieder leben können.

Kommentare:

  1. Liebe Irmgard!
    Ich freue mich sehr, wenn jemand meine Gedichte für so gut befindet, um sie in irgend einer Form zu verwenden. Es ist auch für mich selbstverständlich, dass der Autorenname in jedem Fall dabei stehen MUSS.
    Lieben Gruß
    Lemmie

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    1. Ich sehe, ich habe noch gar nicht hier geantwortet, obwohl ich es ja schon gelesen hatte.

      Liebe Lemmie,

      Deiner Meinung bin ich auch, zumindest bei Privatpersonen. Ich finde auch, dass es ja eine Werbung für mich ist, wenn jemand meine Sachen postet, natürlich mit Namensnennung.

      Allerdings wurden in der Vergangenheit ganze Geschichten/Märchen von mir auf Blogs gestellt, was ich dann erst durch Zufall gesehen hatte, und hier wäre zumindest eine Anfrage schön gewesen. Ich finde, das fair play hat im Netz ein bisschen nachgelassen, bzw. wurde von manchen von Anfang an nicht beachtet.

      Außerdem ist es so, dass sich manche Leute mit fremden Federn schmücken und Texte zusammenklauen, die sie nicht selbst geschrieben haben, also den Namen einfach weglassen, so dass es aussieht, als ob sie selbst es geschrieben hätten. Das finde ich nicht okay. Meine Sachen sind oft so geschrieben, wie mir der Schnabel gewachsen ist, aber sie sind meine. Jeder hat doch seinen eigenen Stil. Man kann doch schreiben, wie man will, es ist doch der eigene Blog und keine Stilpolizei unterwegs ;-)

      Deine Gedichte finde ich sehr schön, habe ja auch einige Sachen von Dir daheim. Ich mag Deine Art, die Welt zu sehen.

      Liebe Grüße, Irmgard

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